Auf römischen Pfaden

Lehrgrabung „Römerstraße Wettstetten“, Lkr. Eichstätt

Wettstetten, Grabungsteam Das Grabungsteam vor Ort (Bildrechte: Nadin Burkhardt) Bild vergrößern

Vom 27. Juli bis 15. August 2020 haben die TeilnehmerInnen der Lehrgrabung „Römerstraße Wettstetten“ ein fast zweitausend Jahre altes Pflaster freigelegt, über das einst römische Soldaten liefen und Karren verschiedenster Art rollten. Ordentlich präparierten die GrabungsteilnehmerInnen die tief ins Pflaster eingeschnittenen Fahrspuren heraus.

Diese Überlandstraße war im späten 1. oder frühen 2. Jh. im Zuge der Errichtung und Verbindung der römischen Kastelle bei Pfünz und Kösching geschaffen worden. Nach römischer Art zieht sich ihre Trasse in gerader Linie durch die Landschaft. Sie wurde auch nach der Aufgabe der Grenzregionen und dem Ende des Römischen Reiches lange weitergenutzt, wie spätmittelalterliche bis neuzeitliche Keramikscherben zeigen. Sie blieb unter dem Namen „Römerstraße“ oder „Saupfad“ in ihrem Verlauf bestehen und dient heute im ergrabenen Abschnitt als Feld- und Radweg am Rande von Wettstetten-Echenzell.

Angeregt wurde die Grabung durch den Altbürgermeister und den Bürgermeister der Gemeinde Wettstetten, die 2021 ihrem 1200-jährigen Jubiläum entgegensieht und sich aus diesem Anlass verstärkt der Erforschung der eigenen Geschichte widmet. In Kooperation mit der Gemeinde, dem Historischen Verein Ingolstadt e. V., der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e. V. und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege untersuchten Archäologinnen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt drei Wochen lang zwei Straßenabschnitte.

In einem 23-köpfigem Team aus Archäologen, Studierenden, Schülern und Mitgliedern der Vereine wurde der Feldweg an zwei Stellen geöffnet und wurden die verschieden alten Schichten der Straße untersucht. Geleitet wurde die Grabung durch Juniorprofessorin Dr. Nadin Burkhardt, unterstützt durch die Archäologin Fabienne Karl.

Wettstetten, Strassenverlauf Straßenverlauf und Grabungsareal (Bildrechte: Kurt Richter) Bild vergrößern

Die TeilnehmerInnen kamen mit unterschiedlichem Vorwissen: erfahrene Grabungsprofis arbeiteten gemeinsam mit Neulingen, geeint durch ihre Begeisterung für Ausgrabung und Archäologie. Sie erlernten typische Grabungsmethoden wie ein Planum anzulegen, ein Profil zu zeichnen, die Befunde zu nivellieren und zu vermessen, die Funde zu reinigen und zu dokumentieren, mussten aber auch anstrengende Erdarbeiten und teils hohe Temperaturen durchstehen.

Zu der Lehrgrabung gehörte ein Rahmenprogramm mit Museumsbesuch, einer Führung von Dr. Gerd Riedel und einem Fachvortrag von Dr. Claus-Michael Hüssen. Zudem besuchten zahlreiche KollegInnen wie Prof. Dr. S. Sommer, Dr. H. Fehr, Dr. K.-H. Rieder, Prof. Dr. G. Zimmer, Dr. D. Biedermann, Dr. W. Thiel und PD Dr. B. Lucke die Grabung und diskutierten mit dem Team vor Ort die Befunde und Funde.

Deutlich zeichnete sich ab, dass die Straße erst in römischer Zeit angelegt wurde: in die feste meterstarke Lehmschicht des anstehenden Bodens waren mindestens drei Lagen Kalkbruchsteine gesetzt worden. Diese wurden wohl nahebei gebrochen, vielleicht in den ca. 100 m südöstlich gelegenen Steinbrüchen, die erst im 20. Jahrhundert aufgegeben wurden.

Der Straßenbelag hat sich auf ca. 5 m Breite erhalten; die seitliche Randbefestigung ging jedoch verloren, da durch Pflugarbeiten auf den angrenzenden Feldern die Ränder deformiert worden waren. Zwischen den Kalksteinen wurde noch eine große Zahl kleiner Kieselsteine angetroffen, die zu einer ursprünglich oberen Bedeckung aus Kieseln gehört haben können. Im Laufe der Benutzung wurde der Straßenbelag an einigen Stellen stärker abgetragen und durch eine Lehmschicht überdeckt, doch die Straße blieb den Fahrspuren nach noch lange in Betrieb.

Zu den Funden gehören ein römischer Sandalennagel von beschlagenen Soldatenschuhen, weitere handgeschmiedete Nägel und die Überreste zerscherbter Gefäße. Den Tonscherben nach, die im Randbereich zutage kamen, sind in der Gegend auch in der späten Bronzezeit Menschen unterwegs gewesen, und Steinabschläge und Steinwerkzeuge aus dem Neolithikum bezeugen noch ältere menschliche Aktivitäten vor Ort.

Wettstetten, Grabungsteam Das Grabungsteam beim Einsatz (Bildrechte: Constantin Schulte-Strathaus) Bild vergrößern

Die Grabung erhielt vielfältige Unterstützung, die dem Team die Kampagne trotz der Krisenzeiten ermöglichte. Nicht nur Behörden, Firmen und Amtsträger, auch die Anwohner und viele engagierte Bürger trugen durch Sachspenden, Arbeitsleistung und finanzielle Unterstützung zum Gelingen bei.

Am „Tag der Offenen Grabung“, am 8. August 2020, konnten alle Interessierten sich vor Ort über die Ergebnisse und Arbeitsabläufe informieren. InitiatorInnen, OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen blickten nach den drei Wochen auf eine ertragreiche und interessante Kampagne mit spannenden Eindrücken zurück und danken allen Förderern.

Für weitere Informationen und Abbildungen siehe auch:

Artikel 1 im Donaukurier
Artikel 2 im Donaukurier
Bericht KU Eichstätt-Ingolstadt

Nadin Burkhardt
Professur für Klassische Archäologie, KU Eichstätt-Ingolstadt